Wo Werra sich und Fulda küssen…, zwei Mädels auf Erkundungsfahrt

Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, der Urlaub gebucht und das Kind im Reiterurlaub sich ohne Mama vergnügte, sind Karin und ich am Freitag den 24.7. 2014 nachmittags in Richtung Fulda gestartet. Mit dem Zweier Quenya auf dem Dach ging es zunächst in Richtung Bad Hersfeld, wo wir beim örtlichen Kanuverein angemeldet waren. Die erste Tat war, das Mückenspray herauszusuchen, weil es hier besonders hungrige Exemplare gab. Das Zelt war schnell aufgestellt und nach einem gemütlichen Abendessen im Städtchen ging es dann schon bald ins Bett, nach der langen Fahrt waren wir doch ziemlich müde. Die sanitären Anlagen waren, sagen wir mal, urwüchsig, kaltes Wasser in einer Art Gartendusche und ein Herzhäuschen mussten reichen… Nachdem wir unser Boot gepackt hatten, das Gepäck ging in den großen Zweier bestens hinein, fuhren wir erst mal los. Mit flotter Strömung und netten kleinen Schwällen kamen wir gut voran, so dass unser Ziel, die Fachwerkstadt Rothenburg recht schnell erreicht war. Wir wollten uns am ersten Tag auch nicht völlig verausgaben. Zwischen Bad Hersfeld und Rothenburg gab es ein kleines Wehr in Mecklar, welches problemlos umgetragen werden konnte.

Wir nächtigten auf dem Campingplatz Rothenburg, der wirklich empfehlenswert ist. Leider mussten wir unser Zelt weit weg vom Wasser aufbauen, aber das war auch das einzige Problem. Am nächsten Tag absolvierten wir die Etappe nach Melsungen, wo wir auf dem DKV Campingplatz eigentlich übernachten wollten. Hinter Rothenburg gab es ein kleines Wehr, welches umgetragen werden musste , danach gab es Schleusen, was bequemer war, da wir nicht immer das Boot auspacken mussten. In Melsungen angekommen haben wir uns, nach einer kleinen aber feinen Stärkung vor Ort auf dem sehenswerten Marktplatz entschlossen, doch noch weiter zu fahren. Es waren ja „nur“ noch 15 weitere Kilometer. Unglücklicherweise regnete es wenig später heftig und hörte auch bis zum Campingplatz Fuldaschleife nicht mehr auf. Triefend nass hievten wir Quenya eine Rampe hinauf um dann festzustellen, dass es hier eine Seilwinde gab, die uns die Arbeit abgenommen hätte. Da wir morgens bereits das Zelt nass eingepackt hatten, nahmen wir das Angebot: „wir haben einen Trailer für Euch, ohne Strom und Wasser, aber trocken… für 15 €…“ gerne an und verbrachten eine Nacht nicht im klammen Zelt, sondern im komfortablen Wohnwagen. Die Pächter boten uns einen Kaffee an, der uns durchwärmte und auch Frühstück wurde am Morgen mit heißem Kaffee satt serviert. Das können wir sehr weiterempfehlen, sehr netter Campingplatzbetrieb.

Am folgenden Tag erreichten wir Kassel, wo wir beim PSV Grün-Weiß Kassel Kanuabteilung nächtigten. Der einzige trockene Platz auf dem Gelände befand sich unter einem Partypavillion, wo wir unser Zelt aufbauten. Das war richtig gut! In Kassel war Volksfest und für entsprechende Unterhaltung, einschließlich Live-Musik, Cocktail und Bratwurstbuden und Feuerwerk gesorgt . Wir trafen hier auch noch andere Kanuten, die unterwegs waren. Man traf sich öfter….

Weiter ging es, die Fulda wurde jetzt breiter und die kleinen Schwälle leider etwas spärlicher, in Richtung Hannoversch Münden, wo wir beim Mündener KC einen schönen Campingplatz bekamen. Abends wurde es dann gemütlich, in dem wirklich schönen Clubhaus traf sich eine lustige Herrenrunde von mehr oder weniger ambitionierten Kanuten, wo wir mit Weißbier und leckerem Essen Paddelerlebnisse austauschten. Am Nachmittag bin ich dann noch mit dem Zug für 23 Euro nach Bad Hersfeld gefahren und habe schon mal das Auto nachgeholt, das parkte dann hier und wartete auf unsere Rückkehr.
Hannoversch Münden ist eine der schönsten Fachwerkstädte, die ich jemals gesehen habe, das Stadtzentrum mit den 3 Flüssen ist mit vielen Brücken ausgestattet und ein Besuch des Wesersteins, wo Werra sich und Fulda küssen… musste natürlich auch sein. Am folgenden Tag waren wir dann auf der Weser unterwegs mit flotter Strömung, gutem Wasserstand und Wind von hinten ging es rasch voran, die Radfahrer am anliegenden Weg hatten Mühe, mit uns mitzuhalten. Das war toll!

Wir nächtigten auf dem schönen, großzügigen Campingplatz Beverungen, die Etappe war 55 km lang und völlig barrierefrei. Hier konnten wir dann einer Gruppe Kanadierfahrer zusehen, die mit flottem Schwung vor dem Steg mit vollem Gepäck grandios kenterte und eine ambitionierte Drachenbootmannschaft beobachten die gegen die Strömung von immerhin 5 km/h anpaddelte um dann wenig später mit einem Höllentempo an uns vorbeizufliegen, wir erfuhren später, dass dieses Team auch schon mal Deutscher Meister war.

Am folgenden Tag erreichten wir als Zwischenetappe Höxter und trafen in dem örtlichen Eiskaffee die Kanuten wieder, die wir auch schon vorher mal getroffen hatten, das ist so richtig nett. Viele Eiskaffee und Cappuccino später fuhren wir dann weiter. Und nächtigten auf dem kleinen, aber feinen Campingplatz Himmelspforte in der Nähe von Bodenwerder, wir wollten die Etappe am folgenden Freitag dann nach Hameln etwas kürzer gestalten, weil wir ja noch das Auto holen mussten.

Die Weser verlor, je näher wir nach Hameln kamen immer mehr an Strömung, der Motorbootverkehr nahm zu uns die Landschaft wurde flacher, nicht mehr so schön hügelig, wie in der Rhön, dem Solling oder dem Weserbergland. Als wir beim KC Hameln ankamen, waren dann auch die relativ kurzen 30 km eine lange Strecke und wir waren ziemlich müde. Das Auto aus Hannoversch Münden zu holen ist dann eine umständliche Angelegenheit: mit dem Zug von Hameln-Hannover-Kassel-Hannoversch Münden und dann über die Autobahn zurück. Karin packte inzwischen das Boot, sie hatte reichlich 4 Stunden Zeit dafür…. Wieder zurück in Hameln haben wir dann das Gepäck verladen und uns auf den Weg nach Enger gemacht, wo wir bei einer Freundin übernachten wollten. Leider mussten wir von der Autobahn runter, da reichlich Stau war, wegen massiver Bautätigkeit. Im Stau dann hatten wir noch eine Reifenpanne, der Vorderreifen war platt. Nicht auszudenken, wenn das auf der Autobahn wenige Minuten vorher passiert wäre. Dank der ADAC-Plus Mitgliedschaft kam ein gelber Abschlepp-Engel und nahm uns, das Auto samt Boot huckepack und fuhr uns, es war inzwischen stockdunkel, zu einer Werkstatt, wo der freundlich Engel uns den Reifen reparierte, es war das Ventil abgebrochen und nicht der Reifen selbst kaputt. Noch mal Glück gehabt.

Am nächsten Tag dann sind wir entspannt nach Hause gefahren und waren uns so was von einig, dass wir so eine Tour absolut weiterempfehlen können, was wir umständlich fanden, war einzig die Nachholerei des Autos mit dem Zug. Im nächsten Jahr machen wir die Eder!