Vielleicht eines der letzten Paddel-Abenteuer in Norddeutschland

Entlang der Flusslandschaft Peene – Der Amazonas des Nordens

„Die Natur ist schon da und will dich zurück“

Von Malchin nach Usedom und zurück.

Immer noch Corona und somit wieder ein Solo auf heimischen Gewässern. Da hat Mecklenburg-Vorpommern zum Glück so einiges zu bieten. Und so ganz alleine war ich dann doch nicht unterwegs.

Der Startpunkt für die einwöchige Tour ist Malchin. Direkt am dortigen Kanuverein gibt es einen öffentlichen Steg und das Auto kann man ganz in der Nähe kostenfrei parken. Am ersten und letzten Tag begleitet mich Micha aus Stralsund. Wir unternehmen einen Abstecher in Richtung Süden zum Malchiner See über den Dahme-Kanal. Endlich gibt es reichlich Sonne und warme Temperaturen. Den ersten Sonnenbrand holen wir uns ebenfalls. Auf der Rücktour genießen wir etwas den Rückenwind, der über den See weht. Zurück in Malchin packe ich mein Seekajak für die nächsten Tage. Über den Peenekanal bin ich bald auf dem Kummerower See und suche mir eine kleine Bucht kurz hinter Kummerow. Zum Anbaden ist mir was Wasser aber noch zu kalt, daher muss die Katzenwäsche ausreichen. Ich genieße den Sonnenuntergang und die erste Nacht in der Saison im Zelt.

Der nächste Tag verspricht wieder Sonne pur und der 10 km lange See liegt fast spiegelglatt vor mir. Ich halte mich am Ostufer und komme an Sommerdorf und Verchen vorbei bis zur Aalbude. Das bekannte Fischrestaurant ist leider wegen Corona noch geschlossen. Hier teilt die Peene Mecklenburg von Vorpommern. Ich bin bei dem schönem Wetter nicht alleine auf dem Wasser unterwegs. Ein Paddler ist gerade am packen seines Bootes und andere Kanuten treffe ich im Laufe des Tages immer mal wieder an.
Die nächste größere Stadt ist Demmin. Ich fahre beim Segelverein ran für eine Pause. Der Wasserwanderrastplatz (WWRP) ist zur Zeit aber wegen Arbeiten an der Steganlage gesperrt und wird es in diesem Sommer sicherlich auch bleiben. Mein Tagesziel ist der WWRP in Pensin. Ich melde mich vorher telefonisch an und bin herzlich willkommen. Bei dem schönen Wetter ist die gleichzeitige Badestelle noch bis zum Abend hin gut besucht. Ich schlage mein Zelt direkt mit Blick auf die Peene auf. Während ich zu Abend esse, kann ich am gegenüberliegenden Ufer zwei Biber beobachten.

Auch der dritte Tag auf der Peene verspricht schönes Wetter. Der markante Speicher von Loitz kommt in Sicht. Für eine Pause ist es aber noch zu früh. Am WWRP in Alt Plestlin steige ich aus und gehe in den Ort zur Wasserwanderkirche. Die nächste Landpause lege in Jarmen ein. Ein Gang an der Kirche vorbei in die Kleinstadt lohnt sich und leckeres Eis gibt es auch. Weitere Paddler treffe ich an. Mein Tagesziel für heute ist der Kanuverein Gützkow. Eigentlich wurde die Saison noch gar nicht offiziell eröffnet und so bin ich die erste Person die ins Gästebuch eingetragen wird.

Nach drei Tagen Sonne wird das Wetter wechselhafter, aber das hält mich nicht davon ab heute noch die Insel Usedom zu betreten. Neben Eisvögel und zahlreichen Spuren von Bibern kann ich jetzt immer öfter Seeadler beobachten. Trotz schöner Natur, sammle ich regelmäßig Müll aus der Peene. Im Schilf entdecke ein großes Kunststofffass, was ich so nicht weiter im Fluss treiben lasse möchte. Mit der Bootspitze schiebe ich es zwei Kilometer bis zum WWRP Stolpe vor mir her. Dort angekommen, habe ich mir eine Pause redlich verdient. Ein Rundgang ist der Ort in jedem Fall wert.
Der WWRP Stolpe ist großzügig ausgebaut. Da stellt sich mir die Frage wer mehr willkommen ist, der „Motortsportler“ oder der Wanderpaddler, der mit Muskelkraft die Peene in Ruhe entdecken möchte. Am Ziel vorbei wurden so einige WWRP mit viel Geld ausgebaut. Wir Paddler sind deutlich in der Mehrzahl, haben aber wohl nicht die Lobby für naturbelassene Übernachtungsplätze. Stolpe ist da nur ein Beispiel.
Hinter Anklam erstreckt sich mit dem „Unteren Peental eines der größten Moorgebiete Deutschlands. Landschaftlich ist vom Wasser aus nur Schilf zu sehen. Die Abwechslung spielt sich eher über meinen Kopf ab. Regelmäßig drehen Seeadler ihre Runden.
Die Peene wird bei km 98 am Peenehaff breit und geht in Richtung Norden in den Peenestrom über. Ich halte mich aber in entgegengesetzte Richtung und sehe von weitem schon die Hubbrücke von Karnin, bzw. was von diesem 35m hohen Industriedenkmal übriggeblieben ist.
An der Spitze von der dortigen Marina finde ich den perfekten Übernachtungsplatz.

Ich habe Usedom betreten und so geht die Tour auf der Peene in 3 Tagen wieder zurück nach Malchin. Für Anklam nehme ich mir nun mehr Zeit und steige bei der Kanustation aus. Nach dem Stadtrundgang gönne ich mir bei der Kanustation noch etwas zu Essen und Trinken. Beim Kanuverein Gützkow bin ich wieder herzlich willkommen. Da Herrentag ist, hatten sich auch einige Vereinsmitglieder für eine Runde auf dem Wasser getroffen. Als ich beim Kanuverein ankomme, läuft der Grill noch auf Hochtouren. Ich werde den Abend bestens versorgt und lerne wirklich sehr nette Menschen kennen. Danke für die liebe Gastfreundschaft.

Am sechsten Paddeltag möchte ich vom KV Gützkow bis zum WWRP Trittelwitz kommen. Das wird die längste Tagesetappe mit Gegenwind und damit Gegenströmung auch wenn diese von der Windrichtung bestimmt wird.
Ich sitze zeitig im Boot und genieße wieder die Ruhe auf der Peene. Ein gutes hat Corona vielleicht doch, denn noch dürfen die Schwimmbungalows nicht vermietet werden und so sind nur ein paar Angler oder auch mal Wanderpaddler unterwegs.
Am späten Vormittag lässt sich mal wieder die Sonne blicken. In Loitz steige ich für eine ausgedehnte Pause aus und gehe durch den Ort. Etwas Bewegung für die Beine tut bei dem vielen sitzen richtig gut. Wieder an Demmin vorbei ziehe ich die Tour bis Trittelwitz durch. Zwei Seekajaks liegen bereits auf der Wiese und der Unterstand ist mit Planen verspannt. Da haben es sich schon welche gemütlich gemacht bei dem recht kühlen und regnerischen Wetter heute. Von Paddler zu Paddlerin kommen wir schnell ins Gespräch. Es wird auf jeden Fall ein sehr geselliger Abend.

Der letzte Tag bricht an und ich erwarte Micha, mit dem ich gemeinsam bis nach Malchin an der Aalbude vorbei über den Kummerower See fahren möchte. Mal schauen wie der Wind so auf dem See ist. Kurz nachdem wir auf dem Wasser sind, kommt die Sonne raus. Der Wind ist nun völlig eingeschlafen und wir können in Ruhe über den See fahren. In Salem legen wir noch eine Pause sein. Doch dann braut sich am Himmel aus Richtung Malchin recht dunkel etwas zusammen. Wir beschließen unsere Tour fortzusetzen. Wird schon nicht so schlimm werden, aber es kommt schlimmer.
Kurz bevor wir den Peenekanal erreichen, fängt das Unwetter an. Blitz, Donner, Hagel, Regen, alles geht über unseren Köpfen hinüber. Aussteigen und unter einen Baum stellen, das halten wir nicht wirklich für sinnvoll. In den Kajaks sind wir noch einigermaßen trocken und im Kanal kann uns nichts passieren, aber angenehm ist es trotzdem nicht. In Malchin angekommen, ist das Gewitter vorbeigezogen und so können wir im trockenem die Sachen auspacken und unsere Kajaks auf das Auto verladen.
So hatte der letzte Tag doch noch so einiges zu bieten und rundete eine schöne Paddelwoche ab. Auch wenn ich alleine unterwegs war, hatte ich am Anfang und Ende mit Micha eine Begleitung. Und während der Tour konnte ich sehr nette Menschen kennenlernen, die ich vielleicht irgendwann auf dem Wasser wieder antreffen werde.

1. Tag: 34 km
Malchiner KC – Dahme-Kanal – Malchiner See – Malchin – Kummerower See

2. Tag: 33 km
Kummerower See – Aalbude – Demmin – WWRP Pensin

3. Tag: 33 km
Pensin – Loitz – Alt Plestlin – Jarmen – KV Gützkow

4. Tag: 36 km
KV Gützkow – Stolpe – Anklam – Marina Karrnin (Usedom)

5. Tag: Rückweg 36 km
Marina Karnin – Anklam – KV Gützkow

6. Tag: 47 km
KV Gützkow – Jarmen – Alt Plestlin – Loitz – Demmin – WWRP Trittelwitz

7. Tag: 23 km
WWRP Trittelwitz – Aalbude – Kummerower See – Salem – Malchiner KC