Tschechien (Moldau, Sazawa, Ohre) im Sommer, ein spritziges Vergnügen

Mit zwei Familien fuhren wir in diesem Sommer in die Tschechische Republik mit der Absicht, die Moldau herunter zu paddeln. Im Winter vorher wurde schon mal im Internet recherchiert und die passenden Touren zusammen gestellt. Auch ein Heft mit Wegbeschreibung und detaillierter Karte wurde beschafft, leider nur auch Tschechisch erhältlich. Die Überlegung, mit welchen Booten wir fahren gestaltete sich dann eher schwieriger, um es kurz zu machen, nur die Kinder hatten die passenden Boote (unkaputtbare PE Einer) dabei. Manni und ich hatten uns nach längerer Diskussion dann entschlossen, den Kanadier mitzunehmen, unsere Freunde nahmen einen GFK Zweier mit.

Ausgangspunkt war Frymburg in Südböhmen, wo wir einen wunderschönen Campingplatz gefunden haben, direkt am Stausee der Moldau gelegen, hier verbrachten wir die ersten Tage, sozusagen zum Einpaddeln, besonders für die Kinder. Völlig problemlose Touren rechts und links um den See herum, gutes böhmisches Essen und jeden Abend Illumination von tausenden von Glühwürmchen. Das war toll, da ich seit meiner Kindheit keine mehr gesehen hatte und zunächst dachte, jemand hätte seine Knicklichter im Gras entsorgt… aber soooo viele?

Nachdem wir uns den weiteren Verlauf der Moldau angesehen hatten, entschieden wir uns zunächst eine Rafting-Tour mit einem Gummiboot mitzumachen. Eingesetzt wurde in Czesky Krumlov und die Fahrt ging bis Budjovice (Budweis) 24 km lang. Es war eine spitzige Fahrt durch WW2 immer wieder unterbrochen von Sohlgleiten, kleinen Wehren und hunderten von größeren und kleineren Steinen, das Gummiboot war zwar schwer zu lenken, rutschte aber problemlos über alle Hindernisse hinweg.

Wir dachten, gut, dass wir das nicht mit den GFK-Booten gemacht haben, zumal wir auch diverse Bootswracks im Gebüsch liegen sahen. Es waren viele Paddler unterwegs, aber ausschließlich mit superrobusten PE-Kanadiern. Alle mit wasserdichten Tonnen ausgerüstet und wir sahen nicht wenige, die dann im Wasser trieben. Man konnte aber bei einer Wassertiefe von max 1m alles gut wieder einsammeln. Unsere nächte Tour, von Zlata Koruna bis Borsow machten wir dann auch im leihboot, besagten PE-Kanadiern, die, nachdem man sich an sie gewöhnt hat problemlos durch die Strömungen fuhren. Allerdings haben wir die Staustufen umgetragen. Es ist eine fantastische Landschaft, hohe Felsen, viele Kehren, grandiose Wälder, schöne Strände und eine sagenhafte Ruhe, wenn denn mal nicht eine Horde (meist jugendlicher) Paddler hinter, neben oder vor einem war. Da wir ja die Strecke nicht kannten, haben wir uns einem Paddlerpaar an die Fersen geheftet, die einen souveränen Eindruck machten, sie waren aus England und paddelten die Strecken schon seit vielen Jahren und kannten alle Untiefen und gefährlichen Strecken. Es ergaben sich nette Situationen, zwischendurch eine kleine Kenterung, Strandung auf Untiefen, Baumkontakte usw.

Genächtigt haben wir in Zlata Koruna, auf dem WWrastplatz, am Kloster. Als wir dort aufbauten, war es ca. 39^Celsius heiß und kaum ein Mensch da. Toll, dachten wir, Ruhe, nett hier. Als wir nach der Paddeltour wiederkamen, erwarteten uns hunderte von Zelten , eine Disco war aufgebaut und irgendwie fühlten wir uns alt. Ruhe gab es jedenfalls nicht hier. So brachen wir am folgenden Tag das Lager ab und arbeiteten uns Richtung Prag vor, hier wollten wir ein bisschen paddeln, aber hauptsächlich Prag besichtigen, der Campingplatz Pikovice erschien uns von der Lage ziemlich perfekt. War er auch, Eisenbahnanschluss inklusive. Und die Sazawa floss da auch. Es wohnte eine Nutriafamilie an den Ufern der Sazawa, die freuten sich über Brötchen und waren wohl auch schon entsprechend konditioniert. Gepaddelt sind wir die Strecke bis nach Prag herunter, vor dem ersten Wehr kehrten wir um, durch Prag zu paddeln ist fast unmöglich, da 3 Wehre gibt, die umtragen werden müssen. Endlich mal wieder im eigenen Boot, das war schön. OK, der Campingplatz war eine Wiese mit einer Kaltwasser-Oper-Air-Dusche ohne Sichtschutz und nicht benutzbaren, weil völlig verschmutzten WCs (dafür gab es genug Wald und einen Klappspaten…oder alternativ auch eine Gaststätte in der Nähe), dafür haben wir für unser Camp nur 20 Euro für 4 Nächte bezahlt. Die Fahrt nach Prag in einem sehr alten Zug kostete nur ca. 50 ct pro Fahrt, für immerhin 30 km, einfach unschlagbar. Und pünktlich waren die Züge auch immer. Prag ist ja immer eine Reise wert, allerdings erwischten wir wirklich superheiße Tage, Schatten war bevorzugt.

Nach einigen Tagen fuhren wir weiter in Richtung Karlsbad, nachdem wir noch einen Abstecher nach Pilsen (die Jungs wollten zur Brauerei) gemacht haben. Den Campingplatz zu finden, war eine Kunst, da das Navi durch die Berge ringsherum so irritiert war, dass es uns den Weg nicht zeigen konnte. Wir haben etliche Ehrenrunden gemacht, bis wir endlich da waren, wo wir hin wollten. Der Campingplatz Kyselka lag an der Ohre (Eger) und war schön gelegen im Wald. Eine Kanutour von hier bis Straz war ähnlich schön wie auf der Moldau, allerdings auch hier teilweise WW1-2 und nur mit stabilem Material zu befahren. Also wieder die Leihbootvariante. Am Abreisetag passierte es dann, ich habe Mannis vollgepacktes Auto rückwärts auf einen Stein aufgefahren und die Hydraulik des Citroen war defekt. Glück im Unglück, ein netter Holländer kannte sich aus und reparierte die Hydraulik provisorisch, so dass wir langsam fahren konnten.

Mit Landstraßentempo dauerte die Fahrt nach Bad Schandau, wieder bei 38°doch etliche Stunden, und dann war der angepeilte Campingplatz an der Elbe erreicht, aber nach dem Hochwasser im Frühsommer hatten die weder Wasser noch Strom und –geschlossen. Also wieder zurück auf den Berg Campingplatz zwei angefahren, Schön gelegen, sogar mit Pool, toll, wir freuten uns auch schon, aber- ausgebucht… Schließlich fanden wir noch einen Trailerplatz nahe Bad Schandau, wo wir einigermaßen erschöpft erst mal ausluden. Manni und ich sind dann nach Pirna gefahren (ca. 30 km entfernt) und haben dort eine Fachwerkstatt, die uns der ADAC genannt hatt, gesucht. Die gab es aber nicht mehr, also nach Dresden (weitere 30km) mit dem defekten Auto. Nachdem wir in der Werkstatt waren, war es einfach. Gut für mich, es war ein Vollkaskoschaden, sonst wäre es richtig teuer geworden…Wir bekamen über den ADAC einen Leihwagen (schick mit eingebautem Navi…) und fuhren zurück nach Bad Schandau, wo unsere Freunde schon aufgebaut hatten. Was für ein Tag!

Auf das Paddeln haben wir dann verzichtet, da es logistisch zu schwierig war, unser Leihwagen hatte keine Reling, Boote waren damit nicht zu transportieren. Aber Burg Königsstein ist auch ganz nett zu besichtigen. Unsere Freunde reisten dann mit der Hälfte unseren Gepäcks nach Hause und wir brachen die Zelte ab in Richtung Tschechien, wir waren dann noch wandern im Riesengebirge, wie geplant. Unser Boot ließen wir in Bad Schandau, angekettet an einen Strommast.

Auf der Rücktour wurde es dann wieder anstrengend, Auto nach Dresden bringen, Citroen abholen, Mietwagen wegbringen, Boot aus Bad Schandau holen und nach Hause fahren.

Also Fazit, die Gegend ist wunderschön, die Preise sensationell günstig, viele Menschen zur Hauptsaison an den Brennpunkten unterwegs, eine gute Infrastruktur gibt es auch und eigene Boote sind nur dann sinnvoll, wenn sie aus PE sind, wir empfehlen Kanadier.

Und die Elbe paddel ich auch noch! Die sah sehr verlockend aus, besonders im Elbsandsteingebirge.