Dem Paddelwinter entfliehen

Dem Paddelwinter entfliehen

Spanien, genauer gesagt Galizien, war das Ziel. Aber 3.000 km stur mit dem Auto zu fahren ohne einmal das Boot zu Wasser zu lassen, geht gar nicht. Also musste ein Zwischenziel her. Und da lag die Dordogne fast genau auf der Hälfte der Strecke.

Also stieg ich kurzerhand in Argentat ins Boot und paddelte in 5 Tages-Etappen die ca. 130 km bis Bergerac. Auf der Dordogne ging es durch beeindruckende Kalkstein- und Waldschluchten und immer wieder an wunderschönen Ortschaften und vielen Châteaus vorbei. Paddeltechnisch waren am Anfang schon einige Stromschnellen zu bewältigen aber zunehmend floss die Dordogne mit guter Strömung dem Ziel entgegen.

Nach diesen großartigen Paddeltagen war es dann auch kein Problem den Rest der Strecke mit Ziel Ria de Arousa unter die Reifen zu nehmen. Der Fischerort Rianxo am Ende der großen Meeresbucht war ein prima Startpunkt für die Seekajaktour der nächsten Tage. Unter kritischen Blicken der ortsansässigen Fischer belud ich das Boot mit meiner gesamten Ausrüstung und vielen Lebensmitteln. Am meisten schmunzelten sie über meine doch recht sommerliche Paddelkleidung. Bei den gut 20 Grad vor Ort tragen die Fischer bereits dickes Ölzeug und nicht T-Shirt mit kurzer Hose. Es ist nämlich Winter… Zu Anfang ging es noch durch viele Muschelzuchtanlagen aber schon bald war ich in der beeindruckenden Insellandschaft der Bucht. An Übernachtungsplätzen mangelte es nicht, denn unzählige Traumstrände an jeder Insel waren perfekt zum Zelten geeignet. Der einzige Haken war der Tidenhub von etwa 3 Metern. Wenn ich da übersehen habe, wie weit der Strand bei Hochwasser ins Meer ging, musste ich am nächsten Tag bei Ebbe mein gesamtes Zeug aufwendig durch ein Labyrinth von mit Seetang bewachsenen Felsen bis zum Wasser tragen oder konnte bei kräftigem Wellengang das Ablegen gleich ganz vergessen. Also Augen auf bei der Platzwahl!

Perfekt waren die Felsen allerdings zum Ergänzen meines Speiseplans. Es fanden sich allerlei Muscheln und in den großen Wasserpools war es ein Kinderspiel auch ohne Angel den einen oder anderen Fisch oder Tintenfisch mit der Hand zu fangen. Ansonsten konnte ich mich auch immer bei den netten Fischern gut versorgen. Nach ein paar Paddeltagen wurde es nochmal spannend. Ob das Wetter hält? Denn an den äußeren Inseln merkt man die Brandung des Atlantiks schon sehr deutlich. Manchmal ist es wie Paternoster-Fahren und ich konnte sowieso nur an der dem Festland zugewandten Seite der Inseln paddeln. Das von mir gebuchte sonnige Hoch über Galizien blieb! Die Tour führte mich weiter von der Isla de Salvora über die Isla de Ons zum einzigen Meeresnationalpark Spanien, den Islas Cies. Dort waren neben der gigantischen Inselwelt auch die Begegnung mit Delfinen und anderen Walen, die mich begleiteten, immer wieder ein Erlebnis. Zurück ging es etwas weniger wetterabhängig an der Küste durch unzählige Buchen zum Startpunkt nach Rianxo, wo ich nach 10 unvergesslichen Tagen völlig versalzen und etwas zottelig aussehend die Dusche vom Yachthafen genossen hab.

Zur Abwechslung standen jetzt noch ein paar Wildwasser-Flüsse in Galizien auf der to-paddel-liste. Die Auswahl ist riesig und Wasser hatten alle Flüsse trotz des schönen Wetters mehr als genug. Ich entschied mich für den Rio Ulla, den Rio Tambre und den Grenzfluß zu Portugal, den Rio Miño. Mal waren es ruhige Strecken aber meistens sehr abgelegene Wald- und Felsschluchten mit Wildwasser 2-4. Dank einer tollen App (jaha, auch ich nutze mittlerweile die Technik) hatte ich sehr zuverlässige Beschreibungen, denn ein Verlassen der Schluchtstrecken wäre durch die Steilheit des Ufers und dem dichten Dornengestrüpp bestimmt spannend geworden. Einzig das Nachholen des Autos mit dem Fahrrad war am Ende des Tages immer wieder eine sportliche Herausforderung, denn „Daumen raus“ und Trampen ist in Spanien eher unüblich.

Alles in allem war es ein supergeiler Paddelurlaub und da ich auf der Rückfahrt durch Kantabrien und Asturien auf hohen Brücken über viele Flüsse fuhr, wurden schon fleißig Pläne für die nächste Reise geschmiedet.